Grube Rennseiter-Stollen

Wo sich heute die Kauber Tennisplätze befinden, lagen ehemals die Tagesanlagen der Grube Rennseiter-Stollen. Ein erster Betriebsbericht ist für das Jahr 1841 belegt. Der Dachschieferbergbau erfolgte in mehreren Betriebsperioden und erstreckte sich über insgesamt vier Sohlen.
Zeitweise besaß die Grube erhebliche wirtschaftliche Bedeutung: Im Jahr 1877 wurden 26.110 m Schiefer mit einer Belegschaft von 143 Mann gefördert. Damit lag die Produktion sogar über der des Wilhelm-Erbstollens.

„Die Grube Rennseiter-Stollen hat nur zeitweise größere Bedeutung gehabt, […]. Durch einen 350 m langen, etwa 156 m über dem Erbstollen liegenden Stollen sollen 11 Schieferlager querschlägig durchörtert sein.
Der Abbau erstreckte sich im Wesentlichen auf das 36 m mächtige Hauptlager, das nach einem alten Bericht dem „Lager 22“ des Wilhelm-Erbstollen entsprechen soll. 28 m des Lagers sollen abbauwürdig gewesen sein.“ (Isert, 1968)

Der Abtransport des Schiefers erfolgte zunächst mit Pferdewagen über die steile Adolfstraße. Dieses Verfahren war risikoreich und führte häufig zu Schäden an der empfindlichen Ware. Zur Verbesserung der Transportbedingungen wurde in den Jahren 1910 bis 1912 eine etwa ein Kilometer lange Drahtseilbahn der Firma J. Pohlig (Köln) errichtet. Sie führte über das Volkenbachtal und durch das Schenkelbachtal direkt bis zum Lagerplatz am Rhein.

Hermann Wiese wurde am 1. September 1913 Betriebsführer des Rennseiters, Betreiber waren zu diesem Zeitpukt die Gebrüder Rother aus Martelingen in Luxemburg. 1920 wurden mit 52 Mann 11.065 t Schiefer gefördert, 1925 nur noch 7.000 t mit 50 Mann Belegschaft. Im gleichen Jahr wurde der Obere Stollen (Rennseiter-Stollen 2) aufgefahren.

Am 1. Juni 1928 erwarb der Wilhelm-Erbstollen den Rennseiter-Stollen mit den Gruben Jungerwald, Vertrauen und Antoinette.
Unmittelbar nach der Übernahme wurde der Zustand des Betriebs als sehr schlecht beschrieben. In einem Bericht aus dem Jahr 1929 heißt es:

„Die Übernahme des vollständig verlotterten Betriebes hat bis heute sehr große Opfer gefordert […]“

Auch diese Zeit war geprägt durch Stilllegungen und Wieder-Inbetriebnahmen, das endgültige Aus erfolgte am 3. Februar 1941. Die verbliebene Belegschaft wurde mit derjenigen des Wilhelm-Erbstollens verschmolzen.

Die Seilbahn wurde im November 1946 noch einmal durch die Firma Pohlig instandgesetzt, d.h. betriebsfähig gemacht, zu welchem Zwecke, ist nicht bekannt. Am 14. August 1949 brannte die Talstation ab, die Seilbahn wurde später abgebaut.

Quellen

  • Isert, Fritz: „Beschreibungen rheinland-pfälzischer Bergamtsbezirke Band 2 – Bergamtsbezirk Diez”, 1968
  • Schwab, Johannes: „Festschrift 100 Jahre Wilhelm-Erbstollen”. Wiesbaden, 1937
  • Betriebsberichte Wilhelm-Erbstollen für die Jahre 1940-52

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Empfohlene Zitierweise: Marion Halft, Kauber Schiefer e.V.: „Grube Rennseiter-Stollen”, 2025